Radial-Wellendichtringe

Radial-Wellendichtringe, auch bekannt unter den Bezeichnungen Wellendichtring,
Wellendichtung oder Simmerring®

Radial-Wellendichtringe

  • Wurden die ersten Radial-Wellendichtringe noch aus Leder gefertigt, so haben sich seit der Erfindung des synthetischen Kautschuks Ende der zwanziger bzw. Anfang der dreißiger Jahre und der schnellen Verbreitung der Motorisierung, die Anforderungen an heute eingesetzte Radial-Wellendichtringe grundlegend geändert.

Wofür werden Radial-Wellendichtringe eingesetzt?

  • RWDR werden zur Abdichtung drehender Wellen (radiale Abdichtung) eingesetzt.

Hier am Beispiel eines einfachen Einzylinder Zweiradmotors zur Abdichtung der Kurbelwelle

Wie ist ein Radial-Wellendichtring aufgebaut?

  • Radial-Wellendichtringe in den Standardbauformen nach DIN bestehen je nach Bauform aus einem oder zwei Metallversteifungsringen, einer Wurmfeder, sowie einem Elastomerteil mit einer speziell geformten scharfkantigen Dichtlippe.

Querschnitt eines Radial-Wellendichtringes der Bauform AS. Die Abbildung des Lippenprofiles ist hier ohne die Wurmfeder die normalerweise in der Federnut liegt, dargestellt.

  • Hierbei ist der Winkel der Dichtlippe auf der Ölseite (Rückseite) des Dichtringes deutlich größer, als der Winkel auf der Luftseite (Vorderseite des Dichtringes) um im laufenden Betrieb eine Dichtheit zu erlangen.
  • Handelt es sich um eine Bauform mit zwei Dichtlippen, so wird die zweite Lippe als Staublippe bezeichnet.
  • Im Außendurchmesser sind die Radial-Wellendichtringe größer als der jeweilige Nenndurchmesser des Ringes ausgeführt (Preßsitzzugabe). Hierdurch wird die Dichtheit am Außendurchmesser erreicht. Für die entsprechende Auslegung gelten die Vorgaben nach DIN 3760/3761.
  • Die Vorspannung der Dichtlippen ist in den gültigen DIN Normen nicht geregelt. Hier gelten die Erfahrungswerte des jeweiligen Herstellers.
  • Auch ist bei der Bauform A und AS nicht festgelegt, ob das Metallteil komplett mit Elastomer ummantelt sein muss.

Wie funktioniert ein Radial-Wellendichtring?

  • Durch die Vorspannung der scharfkantig und mit speziellen Geometrien geformten oder abgestochenen Dichtlippe, sowie die Spannung der Wurmfeder, wird die Dichtlippe an die sich im Betrieb drehende Welle gedrückt. Die Wurmfeder ist wichtig, da die Dichtlippe unter der Einwirkung des jeweils abzudichtenden Mediums und der im Betrieb herrschenden Temperaturen, Drehzahlen und Drücke ihre Rückstellkraft verlieren würde.
  • Durch den Druck den die Feder auf die Dichtlippe ausübt, kommt es zu einer erhöhten Reibung die ohne Schmierung zu einem vorzeitigen Verschleiß des Radial-Wellendichtringes führen würde.
  • Daher ist es erforderlich das im laufenden Betrieb die Dichtlippe bei Radial-Wellendichtringen aus Elastomeren immer ausreichend geschmiert wird, um einen Trockenlauf der Dichtlippe zu vermeiden.
  • An der vor der Montage noch glatten Kontaktfläche der Dichtlippe des Radial-Wellendichtringes, kommt es schon nach den ersten Umdrehungen zu einem leichten Abrieb. Dieser ist erforderlich um später eine entsprechende Dichtwirkung im laufenden Betrieb zu erhalten.
  • In Abhängigkeit der später erwarteten Drehzahl des Wellendichtringes, des Überdrucks an der Abdichtstelle, sowie der im Einsatz befindlichen Medien ist das entsprechende Elastomer auszuwählen.

Welche Elastomere gibt es?

Der gängigsten am Markt verbreiteten Elastomer-Werkstoffe für Radial-Wellendichtringe sind:

WerkstoffeFarbeTemperaturbereich
NBR (Nitril-Butadien-Kautschuk) als StandardwerkstoffRadial-Wellendichtringe aus dem Werkstoff NBR sind meistens schwarz oder blau eingefärbt– 30 bis + 110 Grad C, spezielle Tieftemperaturqualitäten sind auch bis – 50 Grad C einsetzbar
FPM/FKM (Fluorkautschuk). Auch bekannt als Viton® hat sich ebenfalls als Standard etabliertRadial-Wellendichtringe aus FPM/FKM sind meistens in der Farbe braun eingefärbt-20 bis + 200 Grad C
MVQ (Silikonkautschuk) als SonderwerkstoffRadial-Wellendichtringe aus dem Werkstoff MVQ sind meistens in der Farbe rot eingefärbt-55 bis + 200 Grad C
EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk) als SonderwerkstoffRadial-Wellendichtringe aus EPDM sind meistens in der Farbe schwarz eingefärbt-30 bis + 120 Grad C für Schwefel vernetzte Standardqualitäten, Peroxyd vernetzte Sonderqualitäten sind von – 40 bis + 150 Grad C einsetzbar
PTFE (Polytetrafluorethylen). Radial-Wellendichtringe aus PTFE sind auch unter der Werkstoffbezeichnung Teflon ® bekannt.Radial-Wellendichtringe aus PTFE werden meistens in der Farbe weiss (PTFE rein) oder in der Farben schwarz oder schwarz-grau (abhängig von den zugefügten Füllstoffen) angeboten-70 bis + 200 Grad C, je nach Mischung
  • Daneben gibt es weitere Sonderwerkstoffe wie H-NBR, ACM, CR, FVMQ, IIR, spezielle Tieftemperaturmischungen oder FDA konforme Mischungen, auf die wir hier im Detail nicht näher eingehen.
  • Die oben genannten Temperaturbereiche sind nur als Anhaltspunkt zu sehen und abhängig von den tatsächlichen Betriebsparametern.

Was ist bei der Auswahl des Radial-Wellendichtringes zu beachten?

  • 1) Abmessungen

Als erstes sollten die Maßen vom jeweiligen Wellendichtring abgelesen werden. Diese stehen meistens entweder auf der Vorderseite oder der Innenseite des Wellendichtringes.

  • 2) Bauform

Danach ist die Bauform anhand des SEALWARE Cross Reference Charts (Bezeichnungen der Standardbauformen nach DIN 3760/3761) zu identifizieren.

Der Fehler steckt manchmal im Detail. In einigen wenigen Fällen, verwendet mancher Anbieter bereits am Markt etablierte Bezeichnungen für ganz andere Bauformen. Kommen dann vom Lieferanten „Äpfel statt der erwarteten Birnen“ ist der Ärger groß.

  • 3) Abzudichtendes Medium und Betriebsparameter, zur Elastomer-Werkstoffauswahl

Die Auswahl des Werkstoffes erfolgt entsprechend der Beständigkeit gegen das abzudichtenden Medium, der in der Anwendung erwarteten Drehzahl und dem im Betrieb auftretenden Temperaturbereich. Die Farbe des bisher eingesetzten Wellendichtringes kann zwar ein erster Anhaltspunkt sein, sagt aber nicht zwangsweise etwas über den verwendeten Werkstoff aus.

  • 4) Druck

Normalerweise können Radial-Wellendichtringe der DIN Bauformen in Abhängigkeit der sonstigen Anwendungsparameter für Drücke bis max. 0,5 bar eingesetzt werden. Radial-Wellendichtringe der gleichen Bauformen, die mit einer fertig gepressten Dichtlippe, gefertigt werden, sind jedoch meistens nur bei deutlich geringeren Drücken (0,2 statt 0,5 bar) einsetzbar.

  • 5) Drall

Weitere Besonderheiten, wie ein zusätzlicher Drall auf der Bodenseite der Dichtlippe zur Ölrückförderung sind möglich. Hierbei unterscheidet man zwischen einem Einfachdrall (Linksdrall oder Rechtsdrall, jeweils nur für eine Drehrichtung der Welle geeignet), oder einem Wechseldrall (geeignet für beide Drehrichtungen).

Der Drall wird meistens wie nachfolgend abgebildet ausgeführt sein. Bei einigen am Markt erhältlichen Ringen ist aber auch zur leichteren Identifizierung die Drallrichtung mit einem Pfeil nach rechts oder links, auf der Vorderseite des Wellendichtringes gekennzeichnet.

Beispiel für einen Standard Linksdrall.

Beispiel für einen Standard Wechseldrall.

Beispiel für einen Standard Rechtsdrall.

Beispiel für einen speziellen Wechseldrall.

Identifizierung der Drallrichtung, von der linken Seite des Dichtringes aus gesehen.

Von der Bodenseite zur Dichtkante hin verlaufend.

Von der Dichtkante zur Bodenseite hin verlaufend.

Wellenförmig von der Bodenseite zur Dichtkante hin verlaufend.

  • Andere Formen des Drallschliffes, egal ob als Links-, Rechts- oder Wechseldrall sind ebenfalls möglich.
Am sichersten fahren Sie daher, wenn Ihnen die nachfolgenden Parameter über die Anwendung bekannt sind:
Temperatur inGrad C (möglichst von – Grad C bis + Grad C)
Drehzahl inu/min
Druck inbar oder MPa
BeständigkeitMedium
  • Deshalb im Zweifel, fragen Sie die Fachleute von SEALWARE

Für eine einwandfreie Identifikation, eines bisher von Ihnen eingesetzten Ringes, benötigen wir unter anderem die folgenden Angaben:

Welche Bezeichnungen außer den Abmessungen stehen auf dem Ring, bzw. wo und unter welchen Bezeichnungen wurde der Wellendichtring von Ihnen bezogen.

  • Wo kaufen

Bei SEALWARE INTERNATIONAL, mit über 50.300 verschiedenen Radial-Wellendichtringen finden Sie aktuell das größte Angebot in Europa. Unser Katalog / Shop ist für den Einsatz mit PC, Tablet oder Smartphone optimiert.

Darum gleich zu SEALWARE.

Simmerring® ist ein eingetragenes Warenzeichen der Carl Freudenberg KG
Viton® ist ein eingetragenes Warenzeichen der DuPont Performance Elastomers
Teflon® ist ein eingetragenes Warezeichen der The Chemours Company FC

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